Der Paukenhöhlenerguss

 

Im Mittelohr (=Paukenhöhle), hinter dem Trommelfell, sollte sich normalerweise Luft befinden. Diese Luft tritt beim Schlucken und Gähnen über die Eustachische Röhre ein.

Bei Verschwellung der Eustachischen Röhre durch Infekte (Schnupfen, Grippe) oder bei Verlegung durch die Wucherungen im Nasenrachen (im Volksmund "Polypen" genannt) füllt sich das Mittelohr mit Schleim.

Diesen Zustand bezeichnet man als Paukenhöhlenerguss. Man nennt diese Krankheit auch seröse Otitis, manchmal auch SeromucotympanonDiese Erkrankung ist - besonders im Kindesalter - sehr häufig.

  • Kinder neigen eher dazu als Erwachsene.
  • Jeder Infekt der oberen Atemwege (Verkühlung, Schnupfen) kann dazu führen. 
  • Nach einer Mittelohrentzündung besteht fast immer ein Paukenerguss für einige Wochen.
  • Allergisch disponierte Menschen leiden öfter unter diesem Zustand.

Ohrschmerzen treten dann auf, wenn das Mittelohr unter Druck steht. Das kann beim Paukenerguss gelegentlich der Fall sein. In der Regel ist das Geschehen jedoch schmerzlos.

Das betroffene Ohr hört unter Umständen fast normal (wässriger Paukenerguss), es kann aber auch eine beträchtliche Hörstörung bestehen (bei zähem Sekret in beiden Mittelohren).

Insgesamt ist die Hörstörung nur problematisch, wenn beide Ohren betroffen sind.

 
1. Wenn große Wucherungen vorliegen, dann muss man sie entfernen.
2. Bei eitrigem (gelbem) Schnupfen oder bei eitriger Rachendachentzündung ist eine antibiotische Therapie sinnvoll.
3. Schleimverflüssigung mit Medikamenten und Kopflichtbädern kann versucht werden.
4. Man gibt auch abschwellende und antiallergisch wirkende Schnupfenmittel (z.B. Rhinoprontsaft).
5. Abschwellende Nasentropfen sind gut, sollen aber nicht länger als zwei Wochen verabreicht werden.
6. Versuch, das Mittelohr mit Druck zu belüften ("Durchblasen"), z.B. mit Otobar Nasenballon.
7. Die Kinder sollen nicht schneuzen, sondern aufziehen.

Manchmal bleibt der Paukenerguss über Monate bestehen und trotzt jeder Therapie; kurze Phasen der Besserung werden beim nächsten Infekt wieder zunichte.

Sehr häufig tritt auch ohne jede Behandlung nach Tagen oder Wochen eine spontane Heilung ein.

Ein Eingriff wird notwendig,

  • wenn beidohrige Hörstörung über mehrere Monate besteht (Sprachentwicklung !),
  • wenn das Kind häufig Schmerzen hat
  • oder wenn große Wucherungen mit Atembehinderung einen Eingriff ohnehin nahelegen. 


Es ist dann zu empfehlen:

  1. Entfernung der Wucherungen (Adenotomie).
  2. Parazentese (Trommelfellschnitt) und Absaugen der Flüssigkeit aus dem Mittelohr.

Wenn trotz allem neuerlich Probleme auftreten, ist es manchmal erforderlich, in einer zweiten Operation so genannte Paukenröhrchen einzusetzen.

Diese sind ca. 2mm groß, sehen aus wie Zwirnspindeln und werden in das Trommelfell eingesetzt. Damit wird die Belüftung des Mittelohres von außen ermöglicht; die Kinder hören sofort wieder gut. Die Paukenröhrchen stoßen sich von selbst im Laufe von ca. 9 bis 12 Monaten ab.